GLEISDREIECK BERLIN
Berlin - 2006

Auslober:
Land Berlin

Größe:
32 ha

Design:
2006

Entwurf:
Andreas Kipar / kiparlandschaftsarchitekten

Mitarbeiter:
Davide Bertin, Clas Scheele und Sven Herrmann, Elisa Serra, Gianluca Lugli

Der Entwurf schlägt eine Brücke zwischen der Geschichte des Ortes und den aktuellen Herausforderungen. Der Entwurf geht auf dieses historische Spannungsfeld des Ortes ein und setzt sich prozessual mit seiner Weiterentwicklung auseinander. Die soziale Fragestellung der interkulturellen Begegnung wird auf der „terra incognita“, dem neuen Gleisdreieck prozesshaft inszeniert. Es soll ein Modell für das Zusammenleben im Miteinander entstehen. Der so entstehende „Volkspark“ der dritten Generation will offen, demokratisch und symbolhaft ein Zeichen innovativer Stadtentwicklungspolitik nach dem Motto „Freiraum schafft Stadtraum“ setzen. Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft dienen als Struktur für eine Neuorientierung des Geländes. Die Spurensuche in der Geschichte des Ortes verbirgt und offenbart zugleich. Sowohl die imaginäre als auch die reale Kartografierung zeichnet die sichtbaren und unsichtbaren Richtungen nach. Hieraus entwickelt sich ein komplexes Liniennetz, das alle historischen und aktuellen Bezüge zu der unmittelbaren Umgebung aufnimmt. Die Hauptlinien bilden das Grundgerüst eines späteren Wegesystems und legen die Verbindungen zu den Parkanlagen in der Umgebung frei.

Räumliche Einbindung

Der Park hat den Anspruch, sich in die Entwicklungsgeschichte der bedeutenden Berliner Parkanlagen einzureihen. Die Vernetzung mit dem Bestand und den vielfältigen zukünftigen Planungen findet auf zwei unterschiedlichen Maßstabsebenen statt: Zum einen schließt der Park die Lücke zwischen dem Berliner Tiergarten im Norden und dem zukünftigen Freiraum auf dem Flughafen Tempelhof im Süden, der dort nach dessen Schließung entsteht. Zum Anderen reiht sich der neue Park auf diese Weise in das übergeordnete Konzept der Berliner Grünzüge ein. Durch die Einbeziehung dieser unterschiedlichen Räume treffen auf dem Gleisdreieck zwei Geschwindigkeiten aufeinander und schaffen naturgemäß zwei Parkbereiche mit unterschiedlicher Prägung: Der westliche Parkabschnitt wird geprägt durch hohe Aktivität, während im Osten die ruhige Erholungsnutzung dominiert. Durch dieses Konzept wird Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen ein Raum gegeben: Den Arbeitenden der nördlich angrenzenden „Business-Welt“ und den Menschen aus den mit Grün unterversorgten Kiezen der südlichen Nachbarschaft.

Der Park als Erzählung

Der Park ist einer der Orte, an dem sich die Geschichten der Berliner Bürger abspielten und auch weiterhin abspielen werden. Der Park erzählt aus seiner Geschichte und provoziert Erzählungen. So kann der gesamte Park wie eine Erzählung gelesen werden, die an einzelnen Stellen durch die historischen Strukturen unterbrochen wird. Diese Unterbrechungen führen auf diese Weise wiederum zu einer „Pause im Text“. Die Vegetationsstrukturen bilden als Elemente des Raumerlebnisses die Grundlage für die Intensität der Sprache. Der Rhythmus der Erzählung wird durch die Metrik bestimmt, durch die verschiedene Tempi und Qualitäten entstehen. Zonen aktiver Nutzung und Rückzugsräume als Erholungsmöglichkeiten sprechen unterschiedliche Wahrnehmungsebenen an. AllesLiegtInCharmantenErzählungen ist der Anfang einer endlosen Berliner Erzählung, in der die Natur das einzig Beharrende im Wandel der Moden und Normen sein will.